Die Präsidentengruft auf dem Zentralfriedhof Wien
Die Präsidentengruft am Wiener Zentralfriedhof ist die offizielle letzte Ruhestätte für die Staatsoberhäupter der Republik Österreich. Viele Besucher sind überrascht, wenn sie vor Ort feststellen, dass sich die Gruft nicht im Inneren einer Kirche befindet, sondern unter freiem Himmel liegt. Du findest die eher nüchterne Gruft direkt vor der beeindruckenden Karl-Borromäus-Kirche mit ihren besonderen Uhren.
Schlichte Architektur mit großer Symbolik
Man findet die Gruft direkt auf dem Vorplatz der Friedhofskirche. Du erreichst sie am schnellsten über den Eingang beim Zentralfriedhof Tor 2. Sie ist als flache, kreisförmige Anlage gestaltet und wurde bündig in den Boden eingelassen. Die gesamte Gestaltung ist bewusst sachlich gehalten. In der Mitte steht ein zentraler steinerner Block, der als gemeinsames Monument dient und die Namen der Verstorbenen trägt. Umgeben ist dieser Block von einem gepflasterten Rondell. Durch die Lage direkt vor den Stufen der monumentalen Jugendstilkirche wirkt die Anlage wie ein vorgelagertes Monument. Auf den ersten Blick erkennt man die Grabstellen gar nicht. Sie gehen im Vergleich zu den anderen Gräbern auf dem Zentralfriedhof unter.
Die Ruhestätte der Zweiten Republik
In dieser Gruft werden traditionell die Bundespräsidenten der Zweiten Republik beigesetzt, also jene Staatsoberhäupter, die Österreich seit 1945 geprägt haben. Es ist zwar eine große Ehre, dort bestattet zu werden, aber keine strikte Pflicht, da die endgültige Entscheidung immer bei den Familien liegt. Bisher haben jedoch fast alle Präsidenten hier ihre letzte Ruhe gefunden. Den Anfang machte Karl Renner, der erste Bundespräsident nach dem Krieg. Ihm folgten der ehemalige Wiener Bürgermeister Theodor Körner sowie Adolf Schärf und Franz Jonas. Auch das sehr beliebte und parteilose Staatsoberhaupt Rudolf Kirchschläger ruht hier, ebenso wie Kurt Waldheim, dessen Amtszeit international stark diskutiert wurde, und Thomas Klestil, der tragischerweise nur zwei Tage vor dem offiziellen Ende seiner Amtszeit verstarb.
Ausnahmen und familiäre Besonderheiten
Interessant ist, dass die Präsidenten der Ersten Republik, Michael Hainisch und Wilhelm Miklas, nicht hier, sondern in Privatgräbern bestattet wurden. Eine wichtige Besonderheit der Gruft ist zudem, dass auch die Ehefrauen der Präsidenten hier beigesetzt werden dürfen. So findet man beispielsweise Marga Klestil an der Seite ihres Mannes Thomas. Die Namen und Lebensdaten sind dezent in den Stein graviert, wobei bewusst auf individuelle Grabsteine verzichtet wurde, um die Einheit des Amtes und die Gleichheit der Repräsentanten zu unterstreichen.
Staatsbegräbnis und Protokoll
Die Beisetzung in der Präsidentengruft folgt einem strengen staatlichen Protokoll. Verstorbene amtierende oder ehemalige Bundespräsidenten haben Anspruch auf ein Staatsbegräbnis mit militärischen Ehren. Dabei wird der Sarg in einem feierlichen Zug von der Hofburg zum Zentralfriedhof geleitet. Für Besucher ist die Gruft jederzeit während der normalen Friedhofsöffnungszeiten zugänglich. Da es keine Absperrungen gibt, kann man direkt zur Präsidentengruft. Besonders an Staatsfeiertagen wie dem 26. Oktober oder zu Allerheiligen sieht man hier oft prachtvolle Kränze der aktuellen Bundesregierung.
Die meistbesuchten Gräber der Promis liegen in der Nähe
Die Präsidentengruft wird von relativ wenigen Besuchern aufgesucht. Die Meisten wollen zu den berühmten Gräbern der Promis, den Ehrengräbern. Wenn man von der Präsidentengruft nur ein kurzes Stück nach links in Richtung Norden spaziert, landet man in der berühmten Gruppe 32A. Dort findest du das Ludwig van Beethoven Grab. Direkt daneben liegt das Franz Schubert Grab. Auch Johannes Brahms hat hier ein sehr kunstvolles Grab mit einer eigenen Büste bekommen. Die Strauss-Dynastie ist ebenfalls vertreten; Johann Strauss Vater und sein Sohn liegen hier friedlich beieinander. Ein besonderer Anziehungspunkt ist das Ehrendenkmal für Wolfgang Amadeus Mozart. Ein Stück weiter in der Gruppe 33G ist das berühmte Udo Jürgens Grab.


